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Halbmarathon in Palmanova (ITA) am 16.11.2014


Heute nahm ich, Christian Kresnik, als Saisonabschluss beim bekannt schnellen Halbmarathon in Palmanova südlich von Udine (ITA) teil. Dieses Rennen war mein letztes Saisonziel in diesem Jahr und ich habe mich praktisch seit Anfang September akribisch und gezielt dafür vorbereitet. Meine Zielzeit sollte sich knapp unter 1:11h bewegen, was nach den tollen Trainingsergebnissen und -wettkämpfen durchaus realistisch erschien. Die Wettervorhersage war mit möglichem Nieselregen und Bewölkung bei 14°C Außentemperatur für den Start um 10 Uhr optimal. Von Regen und Wolken war aber unten vor Ort nichts zu sehen. Strahlender Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel und ungefähr 15°C deuteten auf ein "heißes Rennen" hin.

Beim Start versuchte ich mich sofort in der ersten Verfolgergruppe einzuordnen und es bildete sich ein Bulg mit etwa 10-15 Läufern. Vor uns liefen 4 Läufer mit einigen sehr namhaften slowenischen und italienischen Athleten gleich von Anfang an mit enormen Tempo weg. Unsere Gruppe passierte Kilometer 1 in 3:18, also genau im Plan für eine niedrige 1h10er-Zeit. Die Beine fühlten sich sehr locker an. Der nächste Kilometer wurde in flotten 3:16 absolviert. Ich fühlte mich gut, also warum nicht? Im Training habe ich das ja auch geschafft und z.B. beim Vorbereitungslauf in St. Paul im Oktober locker runtergespult. Kilometer 3 war dann mit 3:23 schon um ein bisschen langsamer. Mir persönlich war der Kilometer aber nicht so langsam vorgekommen, vielleicht auch durch die leichte Steigung. Der Blick auf die Uhr überraschte mich doch zunächst. Obwohl das Tempo nicht sonderlich hoch war, bröckelte die Gruppe ab hier schon außeinander. Schließlich waren wir dann nur mehr zu fünft. Da ich mich gut fühlte und wusste, dass ich sehr, sehr viel drauf habe, ergriff ich auch immer wieder Initiative bei der Tempoarbeit. Ich versuchte zumeist an erster oder zweiter Position der Gruppe zu laufen. Die 5 Kilometer-Marke passierte ich schließlich in 16:55min, also um gut 15s zu langsam für eine Zeit unter 1:10:30h. Einen Athleten aus der Spitzengruppe konnten wir inzwischen einsammeln. Bei Kilometer 6 stand mein zukünftiger Trainer Stefan Genser und rief mir zu, dass ich sehr gut aussehe und am Drücker bleiben sollte. Allein auf "Teufel komm raus" wollte ich aber nicht für ein schnelleres Tempo sorgen. Ich dachte mir, dass auch so immer noch eine 1:10er Zeit drin sein könnte. Die ersten sieben Kilometer konnte ich das Tempo gut halten.

 

Nach 7km merkte ich schon, dass der Schritt un nicht mehr so flüssig und meine Laufhaltung nicht mehr so ökonomisch war. Es ging einfach nicht mehr so locker von der Hand wie z.B. in Graz vor einem Monat oder im Frühjahr in Wien. Sofort schoss mir durch den Kopf, dass ich somit wohl die persönliche Bestzeit heute nicht erreichen werde. Schließlich lies ich kurz nach der ersten Labestation die ersten 3 Läufer der Gruppe ziehen. Ich wollte nicht riskieren schon bei 10km auszuscheiden. Es überholten mich noch 2-3 Läufer und ich lief mit verringertem Speed von etwa 3:30/km bis zur Hälfte der Distanz. An 10. Position passierte ich die Viertelmarathonmarke in immer noch passablen 36:09min (siehe Bild), was bei gleicher zweiter Hälfte eine 1:12:18 ergeben würde.

 

Ab hier sollte die Strecke, welche etwa 30 Höhenmeter aufwies, wieder leicht fallend zurück zum Ziel gehen. Ich erhoffte mir, dass ich vielleicht dadurch meinen Kilometerschnitt wieder hinunterschrauben könnte, um noch mit einer passablen Zeit ins Ziel zu kommen. Die kleine Enttäuschung, dass sich trotz perfekt verlaufener Vorbereitung mit hoher Wahrscheinlichkeit heute keine persönliche Bestzeit ausgehen würde, war dafür aber ein zu großes Hindernis. Obwohl ich nicht am Limit war, lief ich die folgenden Kilometer immer zwischen 3:32 und 3:36/km. Viele Läufer überholten mich. Ich konnte bei keinem mithalten (wollte mich für eine "nicht so tolle" Endzeit nicht richtig quälen wie sonst bei einem Rennen) und verlor immer schon nach ein paar Metern den Anschluss. Somit musste ich die zweite Hälfte des Halbmarathons als Solorennen absolvieren.


Da in Palmanova auch der beste Österreicher extra gewertet wird, hoffte ich, dass sich mit einem kontrollierten Rennen noch dieser Titel ausgehen würde. Schließlich zischte aber bei km 17 Martin
Pogelschek vom Kelag Energy Running Team mit einem sehr locker wirkendem Schritt bei mir vorbei. Er überholte noch einige Läufer und wurde in der sehr guten Zeit von 1:13:11h Gesamt-8. und bester Österreicher. Nachdem die Chance auf diesen Titel für mich dahin war, lief ich etwas frustriert den 18. Kilometer in 3:47, also wirklich extrem langsam für meine sonstigen Verhältnisse. Das komische daran war, dass ich eigentlich nicht fertig und am Limit war, mein Kopf wollte aber einfach nicht mehr. So oft zu überholt werden, dass war mir bisher in einem Rennen fremd gewesen.


Die letzten 3 Kilometer sammelte ich mich wieder ein bisschen und absolvierte sie etwa in 3:35 bis 3:40. Die Ziellinie überschritt ich schließlich in der Zeit von 1:14:48h als Gesamt-19. (siehe Bild).
Im Gegensatz zu den Konkurrenten neben mir war ich aber nicht wirklich k.o. und ausgelaugt. Dass ich schon nach 7km mein Tempo zurückgeschraubt habe, war sicherlich nicht die klügste Entscheidung. Ab diesem Moment fühlte sich der Halbmarathon nur mehr wie ein flotter Trainingslauf an und mein Kopf sagte bei der Überwindung des inneren Schweinehundes bei keiner persönlichen Bestzeit einfach "Nein!".

 

Jetzt bin ich froh, dass die lange Saison endlich vorbei ist und nun rühre ich meine Laufschuhe zwei Wochen überhaupt nicht mehr an. Warum es dieses Mal nicht mit der Topleistung geklappt hat, das kann ich im Moment schwer erklären und nachvollziehen. Vielleicht habe ich im Training einiges falsch gemacht, vielleicht sollte ich mental an mir arbeiten, vielleicht habe ich mich auch einfach überschätzt. Trotzdem war dieses Halbmarathon eine Reise wert. Für 18€ Nenngeld bekommt man die schnellste Halbmarathon-Strecke weit und breit, eine tip-top organisierte Veranstaltung und als Geschenk einen coolen Pullover. Die Italiener feuerten auch jeden Läufer euphorisch an und erzeugten nicht nur bei mir Gänsehaut-Feeling. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei und kann dann hoffentlich mein volles Potential ausschöpfen.

 

 


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